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Radtour

Unsere Mitarbeiterin Marie-Luise ließ sich diesen Sommer auf ein Abenteuer der Extraklasse ein. Marie-Luise, ihr Mann Thomas und der 16 Monate alte Sohn Joseph unternahmen eine Radtour von Amsterdam bis zur Rheinquelle mit unserem Fahrradanhänger CHARIOT CX1.
Hier ihr Reisebericht:


 

Fahrradtour den Rhein entlang
- von Amsterdam bis zur Quelle in den Alpen

Marie-Luise, Thomas und Joseph

Mittwoch, 13. Juli 2011: Faaker See à Amsterdam

Zugfahrt über Salzburg und München in Richtung Amsterdam. Getrübte Reisevorfreude, weil uns der Wetterbericht eine Woche Dauerregen verheißt.

Donnerstag,14. Juli 2011: Amsterdam

 

Ankunft in Amsterdam

 

Fahrradland Holland

 

Grachten und bunte Boote

Ankunft in Amsterdam um halb 10 am Morgen. Einchecken ins Hotel Mozart, einem kleinen Haus im typischen Stil der Stadt mit vielen alten, historischen und gut erhaltenen Häusern in dichter, enger Bebauung, an zahlreichen Kanälen (Grachten) mit vielen bunten Booten. Auf den ersten Blick verlieben wir uns in diese sympathische Stadt! Überall fahren jede Menge Fahrräder, Lastenräder, Räder mit Kindersitzen, es gibt riesige Fahrradparkhäuser, viele Fußgänger und Straßenbahnen, wenig Autos und Parkplätze – ein deutlicher Unterschied zu den anderen europäischen Städten, die wir bisher kennen. Bei unserem Stadtbummel kaufen wir uns für die Reise 6 Stück holländischen Käse in verschiedenen Sorten. Das Wetter ist vormittags erträglich bewölkt mit lediglich Nieselregen, nachmittags setzt jedoch ein solcher Starkregen ein, dass wir uns für den Rest des Tages im Bett des Hotelzimmers verkriechen, und uns von der langen Zugfahrt ausruhen, um für den nächsten Tag fit zu sein.

Es ist also genügend Zeit, sich zumindest im Reiseführer weiter über die Stadt zu informieren. Amsterdam ist die offizielle Hauptstadt der Niederlande und hat 800.000 Einwohner. Der Name der Stadt beruht auf einem Damm am Fluss „Amstel“. Das Wappen der Stadt hat 3 Kreuze, welches wahrscheinlich auf die 3 Bedrohungen der Stadt zurückgeht – Flut, Feuer und Pest. Eine andere Theorie nimmt eher die Erinnerung an den Apostel Andreas durch 3 Andreaskreuze an. Ursprünglich war Amsterdam eine auf Pfählen errichtete Stadt, da die gesamten Niederlande ein schwer erschließbares Sumpfgebiet waren. Mitte des 17. Jahrhunderts war Amsterdam die wohlhabendste Stadt Europas, vor allem durch den Seehandel mit Gewürzen, Seide und anderen Gütern aus Indien und dem Pazifik. Die Häuser an den Grachten sind deswegen so schmal und hoch, weil die Steuern für Gebäude früher nach der Breite des Zugangs zum Kanal bemessen wurden. Daher findet man auch schmalste Treppenhäuser und Flaschenzüge, die sperrige Güter nach oben transportierten.

So beeindruckt wir von dieser Stadt auch sind, das Auswandern schlagen wir uns aus dem Kopf, da es in der Stadt am Meer laut Reiseführer normalerweise an 2 von 3 Tagen regnet. So auch heute. Es schüttet wie aus Kannen und wir haben kein gutes Gefühl vor dem morgigen Tourstart. Thomas kauft am Nachmittag sogar einen extra großen Familienregenschirm, der uns für den Rest der Tour nützliche Dienste erweisen wird.

Freitag,15. Juli 2011: Amsterdam à Doorn (76 km)

 

Gemeinsam das Zelt aufbauen…

 

…und gemütlich schlafen

Nachdem wir die ganze Zeit ängstlich dem Regenwetter entgegengesehen haben, klart der Himmel am Morgen schnell auf und es wird sonnig und es gibt sogar Rückenwind! In Amsterdam sehen wir am Morgen viele Eltern, die auf dem Fahrrad bis zu 3 Kinder in den Kindergarten/ die Schule bringen (ein Sitz vorne, ein Sitz hinten, und ein Kind steht auf dem Gepäckträger und hält sich am Rücken des Vaters fest), außerdem überhaupt unzählige Radwege, Radwegbeschilderungen und natürlich jede Menge Fahrräder!

Dank der guten Beschilderungen kommen wir also trotz Karte mit schlechtem Maßstab bis Utrecht und dann bis Doorn; die Geschwindigkeit ist jedoch durch das viele Gepäck eher mäßig. Utrecht ist eine vergleichbar nette Fahrradstadt mit viel Rad- und Fußverkehr.

Das Land ist durchzogen von lauter kleinen und großen Wasserkanälen, dazwischen Obstplantagen und Weiden mit Kühen, Pferden und Schafen, inmitten darin manchmal Windmühlen. Am Abend landen wir auf einem einsamen, schönen Waldcampingplatz, von dem wir gar nicht wissen, ob man da überhaupt übernachten darf. Joseph ist sehr ausgeglichen und lebt unser Abenteuer mit!

 

 

Samstag, 16. Juli 2011: Doorn à Millingen (72 km)

(Gesamtkilometer: 148 km)

 

Warten auf die Fähre

 Heute fahren wir über viele niederländische Dörfer und Landstraßen, welche natürlich alle einen Radweg haben. Wir kommen über einen traumhaft angelegten Waldalleeradweg beim Airborne-Museum „Hartenstein“ in Osterbeek vorbei, wo 1944 20.000 alliierte Soldaten mit Fallschirmen absprangen, um den Rhein zu überschreiten und den Krieg vorzeitig zu beenden, was ihnen leider nicht gelang. Das Wetter ist zunächst nur kühl, später jedoch setzt ein solch extremer Gegenwind ein, dass wir nur mit 12 km/h vorwärts kommen. Dazu überrascht uns die sehr steigungsreiche Hügellandschaft in diesem Teil von Holland, sodass wir an diesem Tag viermal so viele Höhenmeter überwinden müssen, wie an „normalen“ Tourtagen, also etwa 400. Zur Krönung des Tages dürfen wir unser Zelt in strömendem Regen aufbauen, unterm Schirm ein Abendessen kochen und unter prasselnden Regentropfen in der Hoffnung auf besseres Wetter einschlafen.

Sonntag, 17. Juli 2011: Millingen à Orsay (87 km)

(Gesamtkilometer:235 km)

 

Trotz Regen glücklich

 Am Morgen überqueren wir die Grenze nach Deutschland und fahren durch grüne Deichlandschaften mit vielen Wiesen und Weiden. Leider ist der Unterschied zwischen dem Fahrradland Holland und dem Autoland Deutschland deutlich festzustellen. In Xanten treffen wir zwei nette Radfahrerkollegen, mit denen wir ins Gespräch kommen und am Marktplatz Pizzaessen gehen. Am Abend campen wir auf einer Wiese bei Orsay, nachdem uns eine kleine versteckte Nische auf nacktem Erdboden in einem Maisfeld dann wegen des drohenden Niederschlags doch zu abenteuerlich erschien. Marie-Luise bekommt einen juckenden und brennenden Hautausschlag, der sich über den ganzen Körper ausbreitet, und kann die ganze Nacht nicht schlafen. Thomas ebenso nicht, weshalb wir beschließen, das Zelt schon um halb sechs abzubauen, sodass wir gegen halb sieben bereits wieder auf Achse sind.

Montag, 18. Juli 2011: Orsay à Düsseldorf (51 km)

(Gesamtkilometer:286 km)


Der Ruhrpott – es rauchtund stinkt

Weiterhin plagt uns extremer Gegenwind (bei dem der moderne Radler von heute wohl schon längst seinen Elektromotor eingeschaltet hätte..). Der Ruhrpott begrüßt uns als graues, trostloses Industriegebiet, wo es überall raucht und stinkt und alles für den Autoverkehr gebaut ist und es entsprechend laut ist. Das alles (und wahrscheinlich ein Sonnenstich) macht Marie-Luise so fertig, dass sie sich mit Fieber, Kopfweh und Ausschlag im Hotel ausruhen muss. Das Hotel ist eigentlich eine bessere Jugendherberge, welche zwar unheimlich günstig Zimmer anbietet, die Gäste dann aber vor eine traurige Wahl stellt, entweder hat man den Verkehrslärm einer 4-spurigen Hauptstraße, die direkt vor den Zimmern vorbeiführt, zu ertragen, oder man verzichtet auf Frischluft und Kühlung. Thomas opfert sich, um die Quadratur des Kreises zu schaffen, indem er alle dreiviertel Stunden aufsteht und für ein paar Minuten lüftet.

Dienstag, 19. Juli 2011: Düsseldorf à Zons/ Monheim (38 km)

(Gesamtkilometer: 324 km)

 

In Düsseldorf

Wir beide haben immer noch Kopfweh, es fühlt sich an, als ob das Gehirn wackeln würde, von daher gehen wir es heute ganz ruhig an - nur eine kurze Etappe mit langsamem Fahren und vielen Pausen. Schade, dass wir vor lauter Schwäche Düsseldorf nicht anschauen konnten, denn eigentlich ist es eine sehenswerte Stadt mit Fußgängerzonen, einem Hafenviertel mit Bars und Parkanlagen sowie einiger interessanter moderner Architektur. Als wir am Nachmittag die kleine Festungsstadt Zons besichtigen, geht es uns schon viel besser. Am Abend zelten wir zum dritten Mal im Regen.

 

Mittwoch, 20. Juli 2011: Zons à Königswinter (84 km)

(Gesamtkilometer: 408 km)

Joseph verpasst das Spannendste

 Heute wollen wir endlich das Ruhrgebiet hinter uns lassen, fahren durch Leverkusen, Köln und Bonn, an jeder Menge Fabriken, Autowerken und Raffinerien vorbei, insgesamt ist es ein recht unsympathisches Gebiet. Dabei kommen wir gut voran, wetter- und kräftemäßig sind die Bedingungen gut. Wir besichtigen den Kölner Dom, essen in Bonn am Marktplatz Torte, und kaufen für Thomas eine neue Regenjacke, weil er seine verloren hat und man bei diesem Wetter ja unmöglich auf ein solch nützliches Bekleidungsstück verzichten kann. Schließlich landen wir auf einem netten Campingplatz mit vielen Zelten und sogar einem Dudelsackspieler.

 

Donnerstag, 21. Juli 2011: Königswinter à St. Goar (97 km)

(Gesamtkilometer: 505 km)

 

Marksburg am Rhein

 Wir haben das Ruhrgebiet endlich verlassen, es beginnt eine neue Landschaft: Berge, Wald, alte Ritterburgen aus dem Mittelalter (Drachenfels, Ehrenbreitstein, Liebeneck, Liebenstein, Burg Maus und Burg Katz) und nette kleine Städte. Vor allem Remagen und Andernach mit dem größten Kaltwassergeysir Europas sind sehr besuchenswerte Städte. In Koblenz genießen wir in einem Restaurant ein gutes Mittagessen mit Moselwein. Am „Deutschen Eck“, wo die Mosel in den Rhein mündet, werden wir sentimental und haben erstmals das Gefühl, dass wir auf unserer Radreise schon weit gefahren sind. Beschwingt durch (erstmalig) Rückenwind und den Moselwein fahren wir mit Geschwindigkeit noch nach St. Goar. Bei St. Goar befindet sich die Loreley, einem für die Schifffahrt riskanten Felsen an einer kurvigen Engstelle des Rheins. Dort werden die zahlreichen Frachtschiffe sogar mittels eigener Ampeln angehalten, bis die Durchfahrt frei ist.

 

Freitag, 22. Juli 2011: St. Goar à Wiesbaden (59 km)

(Gesamtkilometer: 564 km)

 

Burg Pfalzgrafenstein auf einer Insel im Rhein

Es herrscht Mittelalterstimmung durch die vielen alten Burgen und Städtchen. Wir besuchen Bingen (weniger mittelalterlich als erwartet), Rüdesheim (sehr touristisch) und Eltville (mit einer kurfürstlichen Burg). In Wiesbaden wollen wir Irmgard und Jörg P., Freunde von Marie-Luises Familie, besuchen. Davor müssen wir jedoch noch eine ca. 30 km unbefestigte, vom Regen aufgeweichte Schlammpiste überwinden, bis wir endlich dieses Etappenziel erreichen können. Irmgard und Jörg erzählen uns später, dass sich dieses Wegstück Leinpfad nennt, da dort damals die Frachtschiffe mit Leinen den Rhein flussaufwärts gezogen wurden.


Samstag, 23. Juli 2011: Wiesbaden


Bei den Peters in Wiesbaden


Blick über die Stadt

 Wir verleben zwei sehr schöne Tage bei Irmgard und Jörg in Wiesbaden, wo man grüne Papageien vom Fenster aus in freier Wildbahn beobachten kann. Am Samstag besuchen wir die Großmutter der Familie im Pflegeheim, was für alle eine große Freude ist. Auf einer Rundfahrt besichtigen wir die Villenviertel der Stadt. Wir steigen aus bei der russischen Kirche mit ihren vergoldeten Zwiebeltürmen, am Neroberg und seinem wunderschön gelegenen Panoramafreibad mit Blick über die ganze Stadt. Den Berg hinunter geht es mit der Nerobergbahn, einer Wasserballastbahn, die durch die Schwerkraft hinabgezogen wird und dabei einen zweiten mit einem Stahlseil verbundenen Wagen nur deswegen den Berg hinaufziehen kann, weil sie am Berg mit mehreren Tonnen Wasser beladen wurde. Am Nachmittag unternehmen wir noch einen Ausflug zum erst vor kurzem renovierten Zisterzienserkloster Ebersbach. Erholt, gut verköstigt und mit frisch gewaschener Kleidung können wir uns morgen wieder auf Weiterreise begeben.

 

 

Sonntag, 24. Juli 2011: Wiesbaden à Worms (77 km)

(Gesamtkilometer:641 km)


Kurz vor dem Sturz

 Abgesehen von dem Tag, als wir in Duisburg waren und danach in Düsseldorf elendig im Hotel gelegen haben, ist heute der bisher zweitschlimmste Tag: Den ganzen Vormittag kämpfen wir uns durch Dauerregen, verfahren uns in einen ausgestorbenen Ort, und als Highlight platzt Marie-Luise bei einer Bergabfahrt mit 45 km/h der Reifen, sodass sie einen Sturz erleidet. Zum Glück ist nichts passiert außer einem Schock mit zitternden Knien und einer Prellung am Bein. Nachdem sie sich in Oppenheim mit einem Milchshake beruhigt und einen kurzen Blick in den großen Dom geworfen hat, geht es mit Gegenwind weiter.

Wir fahren mit traurigem Gefühl durch vom Auto zerstörte tote Dörfer und Landschaften. Mit der unnatürlich hohen Geschwindigkeit bzw. Leichtigkeit des Fortkommens sinkt nicht, – wie fälschlicherweise oft angenommen – , die Reisezeit (dass man also tatsächlich schneller am Zielort ist), sondern es erhöhen sich lediglich die Reisedistanzen. Im Durchschnitt bleibt die Reisezeit des Menschen konstant und das mindestens seit hundert Jahren, die traurige Folge davon ist dann das beobachtete Aussterben von kleingliedrigen multifunktionalen und vielfältigen „Fußgeherstrukturen“, z.B. „Tante-Emma-Läden“ bzw. „Greisler“, und dergleichen. Auch sieht man keine oder nur vereinzelt Menschen, vor allem Kinder, auf dem einstigen „Lebensraum Straße“, da dieser ja nun einzig dem maschinellen Fortkommen und Abstellen der Blechprothesen dient, und damit zu gefährlich und unattraktiv für den Menschen wird.

Aus diesem Grund und wegen des Regens verweilen wir nur kurz in Worms. Außerdem nehmen die Beinschmerzen zu und der ursprünglich angepeilte Campingplatz existiert auch nicht mehr. Doch zum Glück finden wir bald danach einen inoffiziellen, aber umso sympathischeren „Naturfreunde“-Zeltplatz. Wir kommen mit einer Wormser Camperin sowie zwei sächsischen Radlerkollegen ins Gespräch, die ihre Klagen über das Wetter mit uns teilen.

Montag, 25. Juli 2011: Worms à Germersheim (82 km)

(Gesamtkilometer: 722 km)


Schloss in Mannheim


Endlich baden!

Heute endlich ein angenehm sonniger Tag! Es ist der erste Tag unserer Reise ganz ohne Regen. Die Strecke läuft viel hinter Deichen im Grünen, aber auch durch städtische Gebiete. Wir gönnen uns eine schöne Frühstückspause in Mannheim, dessen Innenstadt schachbrettartig aufgebaut und ebenso durchnummeriert ist, ganz im Zeichen der Aufklärung. Ebenso überraschend ist, dass dort Europas zweitgrößte Schlossanlage steht, die aber im Vergleich zu Schönbrunn touristisch praktisch ungenützt verkümmert. Später folgte ein Aufenthalt in Speyer, einer kleinen Stadt mit großem, riesigem Dom und einer sehr sympathischen, breit angelegten Fußgängerzone. Am Ende des Tages landen wir auf einem nicht mehr bewirtschafteten, folglich kostenlosen, Campingplatz mit einer großen Wiese an einem Badessee mit vielen Wildgänsen.

 

 

 

Dienstag, 26. Juli 2011: Germersheim à Gambsheim (115 km!)

(Gesamtkilometer: 837 km)


Joseph und sein Brunnen

Wir fahren über den schönen, mit vielen Kindern und Jugendlichen belebten Schlossgarten in Karlsruhe ein und genießen die Sonnenstrahlen im Schlosscafé. Danach überqueren wir bald die Grenze zu Frankreich. In Lauterburg, unserer ersten französischen Stadt, verliebt sich Joseph in einen tollen Brunnen mit kleinen Treppchen und Kanälen zum Klettern und Spielen. Von nun an wird er für den Rest der Reise ständig vom „Bumme“ schwärmen. Insgesamt meistern wir heute mit 115 Tageskilometern eine sehr zügige Etappe, da die Wegführung hinterm Deich wenig Navigation erfordert, wir nicht an Ampeln für Autos bremsen müssen und keinen Gegenwind haben. Wieder freuen wir uns über einen angenehmen Zeltplatz an einem Badesee, auch wenn wir aufgrund der Temperaturen lieber an Land bleiben.

Mittwoch, 27. Juli 2011: Gambsheim à Schönau (76 km)

(Gesamtkilometer: 913 km)


Der Rheinkanal – eine endlose Allee

Die Fahrt durch das Elsass führt uns an zahlreichen Bunkern mit Schießscharten sowie vielen Denkmälern für in den Kriegen gefallene Männer vorbei. Außerdem sind für die Region blumengeschmückte Dörfer charakteristisch. Wir erreichen Straßburg und sehen die riesige Kathedrale mit ihren bewundernswerten filigransten Bildhauereien, und von der nur einer von beiden Türmen fertig gestellt wurde (der zweite Turmstumpf wird nun als Aussichtsplattform für Touristen genutzt). Leider müssen wir schnell wieder weiter, weil Joseph müde ist und im Anhänger schlafen will. Das Wetter ist wie im April – mal Sonne, mal Regen. Nach Straßburg radeln wir entlang einem vor ca. 200 Jahren künstlich angelegten Kanal 30 km stur geradeaus. In einem sehr kleinen Wallfahrtsort namens Neunkirchen verleben wir dann eine für Straßburg entschädigende, entspannte Pause. 

Donnerstag, 28. Juli 2011: Schönau à Freiburg (75 km)

(Gesamtkilometer: 988 km)


Alte Befestigungsanlage bei Breisach

 In der französischen Stadt Neuf-Brisach gibt es eine alte, sternförmig angeordnete, Befestigungsanlage. Im deutschen Breisach auf der anderen Rheinseite besichtigen wir ein auf einer Anhöhe gelegenes, riesiges und sehr beeindruckendes Münster mit tollem hölzernen Hochaltar und alten Wandgemälden. Während wir zu Mittag einen obligatorischen Flammkuchen essen, geht Joseph auf Entdeckungsreise und kehrt nicht mehr zurück, bis wir ihn im Schaufenster eines Sportgeschäfts wieder finden. In Freiburg wollen wir einen Tag Pause einlegen, weil Thomas sein Fuß wehtut und er sich erholen muss.

Freitag, 29. Juli 2011: Freiburg

 
Ein Krokodil in Freiburg

 An unserem Erholungstag machen wir einen Stadtspaziergang durch Freiburgs Innenstadt mit ihren vielen alten Häusern, überall kleinen Wasserkanälen, netten Läden, dem Münster, dem alten Rathaus und gönnen uns den regionstypischen Schwarzwälder Kirsch-Eisbecher. Nachmittags ist Marie-Luise mit Joseph allein unterwegs, damit Thomas sich im Zelt ausruhen kann. Am Abend wandern wir auf den Schlossberg mit Blick über Freiburg, wo gerade ein Musik-Fest stattfindet, und spazieren im Dunkeln mit einem Umweg über die Innenstadt zurück.

 

Samstag, 30. Juli 2011: Freiburg à Möhlin (110 km)

(Gesamtkilometer:1.098 km)


Blick über die Dächer von Basel

 Nach der Rückkehr an den Rhein folgen wir kilometerlang einer idyllischen Waldstrecke direkt am Fluss. Uns begegnen immer mehr Radreisende. In Basel erreichen wir das Dreiländereck (Deutschland, Frankreich, Schweiz). Wir schieben unsere Räder durch die historische Altstadt, die mit sehr steilen Straßen und Gassen direkt an einen Berg gebaut ist. In Rheinfelden finden wir eine weitere überraschend sympathische Altstadt. Wir treffen ein Radfahrerpaar aus Paris, das mit 3 Kindern (!) in zwei Fahrradanhängern von Mühlhausen zum Bodensee unterwegs ist. Marie-Luise freut sich, mit ihnen auf Französisch plaudern zu können. Unsere Nachbarn im Wohnmobil (Dauercamper) laden uns auf ein Glas Rotwein an ihrem Campingtisch ein und lassen sich von uns detailliert über das Leben als Schweizer Bürger ausfragen.

Sonntag, 31. Juli 2011: Möhlin à Jestetten (82 km)

(Gesamtkilometer: 1.180 km)


Idyllisch am Rhein

Insgesamt wandelt sich die Landschaft, es wird bergiger, waldiger, idyllischer, verträumter. Das Wasser des Rheins ist nun viel klarer, türkiser und reiner, da es seit Basel weniger Industrie und praktisch keinen Schiffsverkehr am Rhein gibt. Wir kommen durch die lauschigen Städtchen Bad Säckingen, Laufenburg und Waldshut. Heute haben wir endlich richtiges Sommerwetter, das wir schließlich sogar bei einem Campingplatz mit Schwimmbad sehr genießen können!

 

Montag, 1. August 2011: Jestetten à Romanshorn (86 km)

(Gesamtkilometer: 1.266 km)


Der Rheinfall


Angekommen am Bodensee

 Das Frühstück findet an diesem Morgen auf einer Bank mit direktem Blick auf die tosenden Wassermassen des Rheinfalls bei Schaffhausen statt. Zum Glück ist es noch recht früh, sodass wir vom Touristenrummel verschont bleiben und das Naturspektakel relativ ungestört genießen können. Joseph freut sich über diesen großen „Bumme“ (Brunnen). Die Weiterfahrt gestaltet sich durch Gegenwind und eine steigungsreiche Wegführung eher anstrengend. Dennoch erreichen wir bald bei Stein am Rhein unser vorläufiges Ziel, den Bodensee. In Konstanz können wir uns bei einer ganz eigenen entspannten Atmosphäre erholen, die die Stadt verbreitet. Vom Bodensee haben wir herzlich wenig, da er ziemlich zugebaut ist und wir kaum direkt an seinem Ufer entlangfahren können. Jedenfalls ist heute der schweizerische Nationalfeiertag, es sind viele Leute unterwegs und überall wehen Flaggen. Am Abend kommen wir so in den Genuss eines eindrucksvollen Feuerwerks.

 

Dienstag, 2. August 2011: Romanshorn à Triesen/ Liechtenstein (96 km)

(Gesamtkilometer: 1.362 km)


Zelten am Bodensee

Auf unser geplantes Bad im Bodensee verzichten wir aufgrund der Überflutung mit Touristen freiwillig. Weiter geht es nach Lustenau, einer Stadt mit unerträglich viel LKW-Durchgangsverkehr, aus der wir möglichst schnell wieder weg wollen. Es folgt eine über 60 Kilometer lange gerade Strecke auf dem Damm des kanalisierten Rheins, die uns mit Rückenwind sehr viel Spaß macht und eine imposante Alpenkulisse bietet. Diese „Radautobahn“ führt uns ins Fürstentum Liechtenstein. Jenes kleine Land misst an seiner längsten Stelle 25 km und an seiner breitesten 12 km, und beherbergt 36.000 Einwohner, die sich laut Information einer Einheimischen zu großen Teilen persönlich kennen. Wir fahren in die Hauptstadt Vaduz, um ein paar „echte Liechtensteiner“ kennenzulernen, über die wir bisher noch kaum etwas wissen. Jedoch ist die Fußgängerzone dieser Hauptstadt so gespenstisch leer, dass aus diesem Vorhaben nichts wird. Jedenfalls aber hat Joseph so wieder eine Gelegenheit, um nackt im Brunnen zu spielen.

Mittwoch, 3. August 2011: Liechtenstein à Carrera (62 km, 660 Höhenmeter)

(Gesamtkilometer:1.424 km)


Geschafft!


Schlafen mit Ausblick

Nach einem Kurzbesuch beim Schaub-Institut in Bad Ragaz steuern wir die Schweizer Stadt Chur an, in deren Innenstadt wir vor dem Beginn der Alpenetappe noch einmal pausieren und Kraft tanken wollen. Überraschenderweise beginnt es beim Aufbruch ins Gebirge heftig zu regnen und zu gewittern, sodass wir patschnass werden. Marie-Luise will am liebsten sofort zurück nach Hause, aber Thomas überredet sie, doch noch weiterzufahren. Im Nachhinein ist sie ihm dankbar, denn das Rheintal in den Alpen wird das landschaftliche Dessert unserer Reise. Die Anstiege sind zwar lang, steil und schweißtreibend, aber trotz all unserem Gepäck und dem Hänger mit Joseph bewältigen wir sie gut. Zur Belohnung zelten wir zwischen den Wolken mit Blick auf die Berge.

 



Donnerstag, 4. August 2011: Carrera à Rueras (60 km, 950 Höhenmeter)

(Gesamtkilometer: 1.484 km, Gesamthöhenmeter: ca. 5000)

Der Tag beginnt mit einer asphaltierten Abfahrt nach Ilanz, danach geht es auf unbefestigten Wegen weiter, die zum Teil stark geschottert sind, mit Geröll oder Schlamm, bei einem auf und ab von kurzen, steilen Anstiegen und Abfahrten. Zwar ist uns unklar, warum diese Wege überhaupt als Radroute empfohlen werden, aber jedenfalls versetzen sie uns in ein spannend abenteuerliches Gefühl von Wildnis und Gebirge. Einigermaßen erschöpft erreichen wir den Touristen-Verkehrs-Ort Disentis und nach einem letzten Anstieg von 200 Höhenmetern Rueras, wo der letzte Campingplatz vor der Rheinquelle liegt. Erst sind wir enttäuscht, dass wir mit Sandalen, ohne Rucksack und mit Joseph nicht direkt zum Tomasee (offizielle Rheinquelle) wandern können, aber eigentlich erweist sich der Zeltplatz doch als würdiger Abschluss – mit Lagerfeuer, Grillerei, einem Bier und einem Eis für Joseph. Wir waten mit den Füßen im glasklaren Rhein, der nur mehr so breit wie ein Bach ist…

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Morgenwolken